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Von -110 °C bis Künstliche Intelligenz

Die Komplexität der modernen Rückenschmerztherapie

Rückenschmerzen sind eine der häufigsten Volkskrankheiten, doch ihre fundierte Behandlung erfordert weitaus mehr als nur Schmerzmittel. Ein exklusives Teaching-Event für angehende Ärztinnen im Rehafachzentrum Bad Füssing im Rahmen des „Exzellenten Winters“ verdeutlichte am 17.03.2026, wie vielschichtig moderne Medizin heute sein muss. Zwölf Medizinstudentinnen durchliefen ein hochkarätiges Programm, das eindrucksvoll zeigte, warum erst die Kombination aus fundierter körperlicher Untersuchung, apparativer Diagnostik, physikalischer Therapie und modernster Technologie den Behandlungserfolg sichert. Neben dem dichten akademischen Programm trug auch die exzellente Verpflegung durch die hauseigene Küche maßgeblich dazu bei, die Konzentration über den langen und intensiven Nachmittag aufrechtzuerhalten.

  • Physikalische Reize als Therapie: Zu Beginn stand die Ganzkörper-Kältetherapie bei -110 °C auf dem Plan. Unter der fachkundigen Anleitung von Herrn Krenn erlebten die StudentInnen die Kältekammer. Dieser kurze, intensive Kältereiz bewirkt eine Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße), bremst entzündliche Prozesse, blockiert Schmerzsignale und fördert die Ausschüttung von Endorphinen (Wohlfühlhormonen), kann jedoch gerade bei chronischen Rückenschmerz auch kontraproduktiv sein und muss ärztlich indiziert werden. Die eigene körperliche Erfahrung dieser extremen Reize stärkt das therapeutische Verständnis der zukünftigen Medizinerinnen für die physikalische Medizin enorm.
  • Strukturierte Diagnostik und Untersuchung: In kleinen Rotationsgruppen vertieften die Studentinnen ihr Wissen zur manuellen Untersuchung der Lendenwirbelsäule und Halswirbelsäule bei den Oberärzten Dr. Markus Petermeier und Georg Laski. Parallel dazu vermittelte der leitende Oberarzt Dr. med. Paul Schwanitz von Keitz die komplexe Systematik der Röntgenbefundung. Um kognitive Fehler wie die „Satisfaction of Search“ (das vorzeitige, unbewusste Beenden der Bildanalyse nach Entdeckung eines ersten offensichtlichen Befundes) zu vermeiden, arbeiten Radiologen und Orthopäden mit strengen mentalen Checklisten. Hierbei wurde das A-B-C-S-Schema (Alignment, Bone, Cartilage, Soft Tissues) trainiert, das eine vollständige Beurteilung von der Knochenstruktur bis zu den Weichteilen erzwingt.
  • Komplementärmedizin: Chefarzt Dr. med. univ. Till Richter demonstrierte den Stellenwert der Akupunktur an der Wirbelsäule, was den multimodalen Ansatz der modernen Leitlinienbehandlung unterstreicht.
  • Künstliche Intelligenz als Werkzeug der Zukunft: Ein zentraler Baustein des Nachmittags war das sogenannte „Prompt Engineering“ – die präzise Steuerung von LLMs (Large Language Models) im medizinischen Kontext. Da KI-Systeme unweigerlich Einzug in die Diagnostik und ärztliche Kommunikation halten, verdeutlichte Dr. med. Paul Schwanitz von Keitz, wie unerlässlich es für die kommende Ärztegeneration ist, diese Systeme nicht nur zu nutzen, sondern deren Verlässlichkeit wissenschaftlich kritisch zu beurteilen.

Junge Ärzte beim Teaching im RFZ

Der Nachmittag endete aufgrund des enormen Interesses mit einer einstündigen, intensiven Diskussionsrunde. Zum Abschluss erhielten die Studentinnen mit großem Zuspruch eine Einladung der Therme Eins Bad Füssing. Ziel ist es, nach der extremen Kälte auch die gegensätzlichen Effekte der Wärmetherapie – wie die Vasodilatation (Erweiterung der Blutgefäße) und die Lösung von Muskelverspannungen – am eigenen Leib zu erfahren. Das Rehafachzentrum Bad Füssing sowie alle beteiligten Mitarbeiter bewiesen an diesem Tag eindrucksvoll, dass exzellente Lehre auf der perfekten Verzahnung von etablierter Untersuchung, modernster Technologie und höchstem persönlichen Engagement beruht.