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Extrem hart? Extrem gut!

Dr. Victoria Laski erreicht Platz 2 beim Ultracycling-Rennen „Bavaria Extrem“

Von der Hafenspitze in Flensburg bis an den Fuß der Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen– das Race Across Germany Nord–Süd ist die Königsdisziplin der deutschen Ultracycling-Szene. Auch die verkürzte Variante ab Eschwege – das Bavaria Extrem – führt durch abwechslungsreiche Landschaften und bündelt das Erlebnis Bayern in seiner ganzen Länge. Genau 555 Kilometer und 4.500 Höhenmeter sind es vom Start in Eschwege (Hessen) bis zum Ziel in Garmisch-Partenkirchen, das eingerahmt von mächtigen Gipfeln die Finisher empfängt.

Wer hier nach einem ganzen Tag und einer durchradelten Nacht ankommt, hat nicht nur das Ende der Strecke erreicht, sondern eine völlig einzigartige Reise durch Bayern und Teile Hessens vollendet.

Dr. Victoria Laski, die seit 2022 als Stationsärztin im Rehafachzentrum Bad Füssing arbeitet, stellte sich der Herausforderung.

Bei idealen Witterungsbedingungen (16 Grad) geht es für die 32-jährige Ärztin vergangenen Samstag um exakt 8.50 Uhr im hessischen Eschwege an den Start. Supported wird sie dabei im Begleitfahrzeug von ihrem Partner und einer Freundin. Nach tagelangen Vorbereitungen ist der Wagen bis an den Rand gefüllt mit Fahrradzubehör, Ersatzkleidung, Werkzeug und vor allem Verpflegung aller Art sowie Elektrolyten, denn der Kalorienverbrauch bei Ultraradrennen ist enorm hoch und schon manch einer musste mangels ausreichender Flüssigkeits- oder Energiezufuhr vorzeitig abbrechen. Und selbstverständlich ist als „Zweitbesetzung“ das Zeitfahrrad mit von der Partie, das jeweils auf längeren ebenen Strecken zum Einsatz kommt, um ein Maximum an Geschwindigkeit herauszuholen.

Gleich auf den ersten 40 Kilometern müssen 800 Höhenmeter zurückgelegt werden, nach einem Trainingslager in den Dolomiten für die Pockingerin jedoch keine allzu große Herausforderung, schnell kann sie die ersten (überwiegend männlichen) Fahrer überholen. Anschließend folgt bereits der erste Wechsel aufs Zeitfahrrad, bevor nach 50km in Werra die erste Timestation erreicht ist – hier muss per Online-Checkin die genaue Ankunftszeit übermittelt werden. Zwischen Werra und Kitzingen kommt in der Rhön die erste Herausforderung: 1400 Höhenmeter mit kurzem steilen Gipfelanstieg sind zu bewältigen, außerdem herrscht auf vielen Streckenabschnitten reger Verkehr und der immer stärker werdende Seitenwind macht längere Fahrten auf dem Zeitfahrrad unmöglich. Dank intensiven Trainings ist Dr. Laski jedoch fit genug, um mit nur wenigen kurzen Pausen zwischendurch die Zeitstation in Kitzingen schon kurz vor 18 Uhr zu erreichen - 225 km sind geschafft.

Viktoria Laski bei Bavarian Extrem

Die abwechslungsreiche Route führt anschließend weiter quer durch Franken, in Ansbach (Mittelfranken) ist kurz nach 21 Uhr Kilometer 300 erreicht. Durch das Donauries mit Checkpoint Nummer 3 nach etwa 370 km über Augsburg, dann westlich an München vorbei verläuft die Strecke ins Voralpenland. Zu diesem Zeitpunkt nachts ist es allerdings viel zu dunkel und die Kräfte ziemlich aufgebraucht, um die Schönheiten der Landschaft ausreichend würdigen zu können – dafür sind die Straßen wie leergefegt, von etlichen tierischen Begegnungen einmal abgesehen.

„Ab Kilometer 400 hatte ich einen ziemlichen Durchhänger mit Übelkeit, da musste mich mein Team gewaltig motivieren und die Energieversorgung ist mir auch zunehmend schwerer gefallen“ berichtet Dr. Laski im Nachhinein. Das Ziel rückt jedoch immer näher, bei der vierten Timestation in Moorenweis (km 470) geht bereits die Sonne wieder auf. Vorbei am Ammersee und weiter nach Murnau muss die 32-Jährige noch einmal jegliche Kräfte und Motivation mobilisieren, doch die letzten 30km mit Blick auf die Alpen entschädigen für die langen Strapazen. Um exakt 9.45, nach 24h 54min im Sattel fährt Dr. Victoria Laski begleitet vom Jubel ihres Teams in Garmisch-Partenkirchen als zweite Frau in der Klasse „solo supported“ ins Ziel ein und darf unsagbar glücklich ihr Finishershirt in Empfang nehmen. Für den Sieg hat es trotz annähernd gleicher Durchschnitts-Geschwindigkeit mit der Erstplatzierten nicht ganz gereicht, da diese die 555 Kilometer fast ohne Stopps durchgefahren war. Ihr eigenes Ziel konnte sie jedoch mehr als erreichen: sie legte die Distanz in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,7 km/h zurück (ohne Stehzeiten gerechnet).

Gefragt, ob sie sich vorstellen könne, sich der sportlichen Herausforderung nächstes Jahr aufs Neue zu stellen, antwortet Dr. Laski schlagfertig:“ Was heißt nächstes Jahr? In knapp 6 Wochen starte ich wieder bei der RAA Challenge (Race around Austria), das sind wieder 560 km rund um Oberösterreich. Ich muss doch meine momentane Topform nutzen!“

In der Zwischenzeit kümmert sie sich jedoch erst einmal wieder um ihre orthopädischen und rheumatologischen Patienten im Rehafachzentrum Bad Füssing.